Von Igoumenitsa nach Kreta


25.4. - 27.5.2008 (~4100km)

Mit dabei: Robert und seine Twin

Sprit (Normal bleifrei) in IT: € 1,399!
Regenjacke ist nicht dicht - bin darunter voll nass.
Nie mehr ohne Regenhose - die Lederhose ist im Schritt sofort undicht und säuft sich supertoll an.
Gore-Stiefel!!! Auch die Gore-Wanderschuhe lassen voll durch.
Tachowelle/Schnecke ist bei Km 350 / Klagenfurt kaputt (als Folge vom "unfähigen" Euromaster-Einbau des Vorderrades; die sehen mich nie wieder)


Feitag, 25.4 Wien - Jesolo 644km

8:00 Abfahrt.
Das Mopped steht seit gestern mit den angebauten Koffern abfahrtbereit in der Garage.
Auf der Südautobahn, bei der Raststätte Triestingtal, ein schwerer Unfall auf der Gegenfahrbahn. Ein Kleinbus liegt auf der Seite in der Leitplanke. 2 Hubschrauber, an die 10 Rettungsfahrzeuge und viel Feuerwehr. Dahinter staut es schon 5 km in Fahrtrichtung Wien.

Flott komme ich bis Graz und mache Pause. Esse beim Griechen eine Kleinigkeit und unterhalte mich ausgesprochen nett ;-)

Als ich wieder abfahre, beginnt es zu regnen und das bleibt auch bis zur Grenze bei Tarvis so. Zeitweise fahre ich nur mehr 80 km/h, weil ich sonst in der Gischt und im Regen nichts mehr sehen kann. Ich muss 2x tanken, die Twin säuft schon wieder wie ein Loch und raucht auch ziemlich stark beim Beschleunigen. Wahrscheinlich hängt der Choke-Zug schon wieder - Verbrauch: 10Liter / 100km! Das muss ich in den Griff bekommen...

Ab Tarvis durch das Kanaltal kommt kurz die Sonne hervor, die Temperatur steigt auf angenehme 19°C! Sonst im Regen hat es immer nur 10-12°C und da ich wieder mal patschnass bis in die Unterwäsche und die Socken bin, kriecht mir die Kälte langsam durch und durch in die Knochen... Meine Handschuhe färben ab, ich habe wieder Hände schwarz wie die eines Negers ;-) Aber irgendwann muss doch die ganze Farbe draussen sein ;-)

Die Maut von der Grenze bis Venedig kostet € 11,40 und der Automat mag mich nicht: ich schiebe das nasse Ticket ein, doch der Dödel schluckt es nur und tut sonst gar nichts. Am Display steht nur "Karte einführen". Grrr. Als ich die Twin abstelle um jemanden zu suchen (hinter mir hat sich schon eine beachtliche Schlange gebildet) ertönt eine Stimme aus dem Lautsprecher und fragt was los sei. Schnell ist alles geklärt, ich darf zahlen und fahre weiter. Die Km von hier bis Jesolo sind anstrengend, viel Verkehr und kaum Möglichkeiten zu überholen. Und die Wohnmobile schleichen und schleichen...

Endlich in Jesolo. Fast 400km im Regen. Mir ist arschkalt, aber es regnet wenigstens nicht mehr. Das "Hotel Serena" hat geschlossen, ich quartiere mich unweit davon im "*** Speranza" ein. € 40,- inkl. Frühstück, das Zimmer im Dachgeschoß ist aber sehr mickrig. Voll in der niedrigen Dachschräge, nur ein kleines Fenster im Dach, keine Aussicht und kaum hoch genug, um aufrecht stehen zu können.

Aber ich will eine heisse Dusche! Die weckt meine Lebensgeister wieder... :-)

Ich gehe auf ein Bier und beobachte das Treiben hier. Da ist ja voll die Äktschn los, Wahnsinn! Aber warum tu ich mir das eigentlich an? Irgendwo am Weg hierher war ein Bed & Breakfast - Haus, das wäre sicher angenehmer gewesen. Muss mir das nächste Mal was anderes suchen. Obwohl - hier tut sich zumindest was ;-)

2 große Bierlis (0,4) € 8,-
644km - davon 400 (ab Graz) in strömenden Regen...


Samstag, 26.4 Jesolo - Venedig 60km

Am Morgen ist die Wäsche natürlich nicht trocken. Jacke, Hose, Socken und vor allem Schuhe sind noch ziemlich nass. Und kalt.
Blick aus dem Mini-Fenster: blauer Himmel!

Die Fahrt zum Hafen geht flotter, als ich dachte. Etwa eine Stunde bin ich unterwegs, muss einmal tanken (€ 1,43) und um 10:00 etwa bin ich beim ANEK-Schalter am Hafen. Ich habe alle meine Fährtickets schon vorgebucht und somit datiert, das Eine von PIR-HER wäre aber besser ein "Offenes"; weil ich ja nicht genau weiß, wie lange ich die ersten Tage am Festland unterwegs sein werde. Ist am Schalter auch überhaupt kein Problem und in einer Minute erledigt. Genauso schnell ist der Check-in und so flott wie noch nie bin ich in meiner Kabine 6103 auf der LEFKA ORI. Die ist groß und geräumig, liegt aussen und ist als 4-Bett nur mit mir und noch einer Person belegt. Seehr angenehm.

Das Affi steht auf Deck 2, ganz vorne im Bug. Da waren wir auch noch nie ;-)

Es ist super warm, strahlend blauer Himmel und man kann vom Deck bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Alpen sehen. Das sind ja glaub ich keine 50km, wenn überhaupt.

Hier beginnt der Urlaub!!!
Vor dem Schlafengehen gönne ich mir noch eine kleine Flasche Wein plus Zigarre und dann gehts ab unter die Decke.

Bierli (0,4) € 3,50
Gyros-Plate € 6,- (und gut)


Sonntag, 27.4. Igoumenitsa - Metsovo 151km (+35km zum Katara-Pass)

Die Nacht war ruhig, es ist nicht viel los auf der Fähre. Um Mitternacht liefen überall die TV´s wegen den Osterfeiern in Griechenland. Und wo immer das auch war, es hat in Strömen geregnet...

Irgendwann gegen Morgen war die See etwas unruhig, ich wurde immer wieder wach, weil es mich so herumgewuzzelt hat. War aber nicht weiter schlimm und auch bald wieder vorüber.

Ich genieße meinen Nescafe in der Morgensonne am Deck. Wir sind vor Albanien. Ausser ein paar Kuttern vor der Küste ist aber nichts zu sehen. Keine Ahnung, wie hoch die Berge hier an der Küste sind, so 1500m werdens schon sein. Was mir aber zu denken gibt: da oben liegt noch Schnee! Und Metsovo liegt auf ~1300m...

12:30 Igoumenitsa in Sicht!
Die Sonne scheint, aber es ist kühl und windig. Über den Bergen landeinwärts hängen dichte Wolken.

Aus der Fähre hinaus geht es genauso flink wie hinein. Vielleicht eine halbe Stunde und ich bin von Bord. Und, wie könnte es anders sein: ich habe noch nicht mal das Hafengelände verlassen und es beginnt zu regnen!!! Wie ich das hasse!!! Was solls, ich fahre los, es sind etwa 150km bis Metsovo. Die neue Autobahn ist schon fertig, man kann hier direkt an der Hafenausfahrt auffahren. Trotzdem nehme ich die alte Strasse, weil die landschaftlich schöner ist - etwa 150km Kurven ;-)
Ich gleite so halbflott dahin; da es immer wieder ein bisschen regnet, ist etwas Vorsicht angesagt. Der Asphalt selbst ist schon heimtückisch, dann noch die Stoppelreifen dazu und auch noch der Regen... Aufpassen.
Wenn es trocken ist, läufts ein bissi flotter, denn es herrscht so gut wie kein Verkehr. Normalerweise fuhr man hier im Konvoi mit unzähligen LKW´s, aber die nehmen scheinbar auch die Autobahn, so wie alle Anderen.
Kilometerlang fahre ich alleine durch das Tal und die Wälder. Irgendwann fährt ein Corsa hinter mir auf, ich lassen ihn bei Gelegenheit vor und hänge mich an. Und - es ist ein Mädl - die gibt ganz schön Stoff ;-)
So gehts ruck-zuck bis Jannina, so ein (einheimischer) Schrittmacher ist schon was Feines!

Kurz nach der Stadt, noch mit Blick auf den See, mache ich Pause und eine Gruppe Moppedfahrer hält kurz darauf ebenfalls hier. Es sind Slovenen, die ich schon in Venedig am Hafen gesehen habe. Wir plaudern ein bisschen, ich fotografiere die Gruppe mit allen ihren Kameras und fahre wieder los. Immer wieder regnet es leicht, ich komme aber trotzdem eigentlich trocken in Metsovo an. Die Temperatur ist mittlerweile auf 14°C gefallen, Metsovo liegt auf etwa 1300m.

Ich fahre zum Hotel Kassaros (www.kassaros.gr), wo ich mein Zimmer schon lange vorreserviert habe, da wegen der Feierlichkeiten zu den Griechischen Ostern dieses Wochenende alle Häuser ziemlich voll sein werden.

Zimmer 49, erster Stock, Vorderseite. Das Haus ist ausgebucht und somit sind die Zimmer an der Rückseite, mit grandiosem Ausblick über das Tal und die Stadt, alle belegt.

Bevor ich noch irgendwas anderes mache, kümmere ich mich um den Spritverbrauch meiner Twin. Denn nur mehr 200km jeweils bis zur Reserveschaltung statt ~320km bedürfen einer Lösung... Ich vermute, dass es am Choke liegt, so wie in Tunesien schon. Dass der Zug dort, wo er sich gabelt, irgendwie hängt und somit der Choke immer gezogen ist.
Verkleidung ab, Tank herunter - ich war vorsorglich noch nicht tanken - und nach wenigen Blicken erkenne ich auch schon die Wurzel des Übels: am hinteren Zylinder ist von der Anschluss-Schraube, das Ding ist aus Kunststoff, das Gewinde abgebrochen. Dadurch hängt der ganze Zug lose weg und ist defacto immer voll gezogen. Das ist aber leider nicht so einfach zu beheben, als wenn es nur ein bisschen schwergängig wäre... Doch auch für diesen - absolut unvorhersehbaren Fall - habe ich hoffentlich das richtige "Ersatzteil" parat, ein Stück Binddraht ;-)
Drei Schlingen, die das gebrochene Teil in Position halten, sollten provisorisch über die Runden helfen. Wenn die Choke-Patrone nicht mehr lose hängt müsste das auch wieder funktionieren. Wissen werde ich es beim nächsten Tankstop! Flugs alles wieder zusammengebaut und probehalber noch eine Runde gefahren. Twin läuft normal und auch wieder viel geschmeidiger als zuvor. Aber warten wir auf das nächste Mal tanken, das ist dann der Moment der Wahrheit.

Und weils auch gleich wieder so viel Spaß macht und die Kurven hier doch so schön sind, fahre ich hoch zum Katara-Pass auf 1680m. Es wird kälter und kälter und ich komme immer näher zum Schnee, oder umgekehrt, wie man es sehen mag ;-) Ab 1600m ist zu beiden Seiten der Straße alles weiss! Ich liebe das! Ich liebe den Sommer in Griechenland! Aber mit der Twin und den passenden Reifen kann man schon auch mal in den Schnee fahren! Der Untergrund ist hier an der Schneegrenze ja nicht mehr gefroren und so sind die 10cm auch kein Problem. Allerdings, ein paar hundert Meter höher ist noch tiefer Winter! Langsam wird mir kalt in meinen Sommerhandschuhen und ich fahre retour nach Metsovo. Lustig wars allemal!

Zurück im Hotel ist erstmal eine heisse Dusche angesagt. Aaaaaah...ngenehm!

Heute ist Ostersonntag und das ganze Dorf hat sich herausgeputzt. Ich spaziere kreuz und quer herum und als es gegen 20:00 geht werden die Menschen in den Gassen immer mehr, alles versammelt sich an der Kirche am Hauptplatz. Jede(r) trägt ihr schönstes Kleid und seinen besten Anzug, und das von den Großeltern bis zu den Enkelkindern. Ich beobachte das Geschehen interessiert und als es wieder mal zu regnen beginnt, suche ich mir eine Taverne fürs Abendessen. Die mit dem Feuer im offenen Kamin und dem Lamm am Grill hat das Rennen gemacht ;-) lecker, lecker, lecker... Kokoretsi, Lachano-(Kraut-)Salat und dazu ein guter Rotwein (der Katogi Averoff zählt zu den besten Weinen Griechenlands und kommt von hier). € 17,- ist absolut angemessen, Essen und Wein und auch das Lokal sind ausgezeichnet.

Ausklang des Abends im gut besuchten Pub. (Leider) sehr moderne Musik und gar nix griechisches, aber trotzdem sehr gemütlich.

Morgen werde ich mir überlegen, ob ich zwei oder drei Nächte hier bleiben und was ich anstellen werde. In den Nationalpark VALIA KALDA und zu den Quellen des AOOS fahre ich auf alle Fälle. Der Rest hängt vom Wetter ab.


Montag, 28.4. Metsovo - Vouvousa - Pindos Nationalpark (Valia Kalda) 116km

Am Morgen lacht die Sonne vom strahlend blauen Himmel!
Der Frühstücksraum ist prall gefüllt, die Osterurlauber (größtenteils aus Athen) sind wieder zur Abfahrt bereit. Am Anfang herrscht das vole Gemetzel, aber den zweiten Kaffee genieße ich schon fast alleine in dem sehr gemütlichen Raum, am offenen Kamin.

Siga siga fahre ich zur Tankstelle im Ort und mache mich auf den Weg in Richtung des AOOS-Stausees. Kurz nach Metsovo geht die schmale Straße links ab und schmiegt sich in Kurven und über Hügel kilometerlang an das Stausee-Ufer. Bei (?) verlasse ich den Asphalt. Die nächsten 15km bis FLAMBOURARI sind ein vorab-testen der Verhältnisse abseits der befestigten Straßen. Ist hier nichtmal so schlimm, wie ich es erwartet habe. Die wirklich gatschigen Abschnitte halten sich zwar in Grenzen, doch da muss man aber schon sehr aufpassen. Schmieriger, rutschiger, nasser Erd-Wald-Boden. Das Meiste ist aber ganz ok, sofern es mit Kies und Steinen durchsetzt ist. Bei BOUBOUSA steht eine alte Steinbogenbrücke abseits der Straße und im Ort noch eine, schön und groß und gepflegt. Irgendwo hier müsste ich am Weg zum NP wieder ab in die Botanik ;-) Die Sonne hat sich wieder hinter einer dicken Wolkendecke versteckt, aber es hat kühle 18°C - aber es regnet nicht! (Anna vom Hotel meinte, die nächsten Tage blieben trocken - aber was dann...?)

Frage niemals in einem Kafeneion nach dem Weg. Der Gefragte hat nämlich (oft) keine Ahnung und fragt selbst wieder Andere. Und nach zwei Minuten hast du fünf gegensätzliche Antworten. Dabei wollte ich doch nur wissen, wo hier der Weg zum NP abzweigt... Die hilfreichen Antworten streuen von "gar nicht" bis "in 30km, irgendwo an der anderen Seite des Berges"... Zumindest erfahre ich, dass im NP an die 200 Bären leben sollen... Wahr oder Märchen?

10km nach BOUBOUSSA zweigt am Pass auf 1500m ein Fahrweg rechts ab, beschrieben mit "Dasiki Odos", also sinngemäß "Straße zum Wald". Das Schild liegt zwar einfach lose am Boden, aber nachdem das hier der einzige fahrbare Weg ist... Ein weiteres vergammeltes Schild zeigt "9km National Park Pindos". Ich denke, hier bin ich richtig. Allerdings - es sieht verdammt nach Schnee aus...

Das erste Stück Weg bin ich mir gar icht sicher, ob das eine gute Entscheidung war. Der Boden ist schwer, nass und rutschig, es ist kalt, das Wetter scheint nicht stabil und überhaupt - ich habe KEINE Ahnung, was da in den Bergen an Weg- und Fahrverhältnissen auf mich zukommt... Aber es juckt enorm ;-)

Ich muss mich auch erst wieder an solche Strecken gewöhnen; mit Vorsicht klappt es ja ganz gut, nur eben langsam. Mit maximal 30-40km/h, fast durchwegs nur im 2. Gang, gehts gemütlich voran.

Irgendwann stehe ich, nach einigen Abzweigungen, vor dem Schild "Pindos National Park".
Einige Pkw´s parken auch hier, die Gegend ist ein beliebtes Wander- und Ausflugsziel. Allerdings sind jetz hier nur die wirklich hartgesottenen unterwegs. Ich plaudere ein wenig mit den Leuten hier und entscheide mich für den linken Weg, denn der Rechte führt zwar zu Wasserfällen, endet aber scheinbar dort und ich möchte ja den Nationalpark von Nord nach Süd durchqueren.

Die Strecke macht total Spaß und langsam gewöhne ich mich wieder an das Fahren in anspruchsvollerem Gelände. Größtenteils ist es "einfach nur" nasser Waldweg, manche Stellen sind aber auch echt tiefer Morast. Nach etwa 5km erreiche ich einen Talkessel, durch den sich ein kleiner Fluss zieht. Ja - der ist zu queren. Nein - es gibt natürlich keine Brücke. Ist aber nicht weiter schlimm. Der tiefe Morast in der Ebene zuvor war wesentlich anstrengender. Der Weg gabelt sich erneut, und wieder sind rechts die Wasserfälle angeschrieben. Also, nun bin ich ja schon viel näher als zuvor, biege ich rechts ab, stehe aber bald vor einer Absperrung. Gut, bleibt die Twin eben hier und ich gehe das Stückchen Weg eben zu Fuß. Mir fallen wieder die Bären ein, vor denen ich im Kafeneion gewarnt wurde...
Nach gut einem km ist von den Wasserfällen immer noch nichts zu sehen oder zu hören, aber zwei Wanderer, die ich zuvor an der ersten Gabelung schon getroffen habe, kommen mir entgegen. Demnach schließt sich die Schleife Weg hier. Wir plaudern wieder kurz und sie erzählen mir, dass sie unten am Fluss Bärenhäufchen (!) gesehen haben und deshalb langsam den Rückzug anterten. Und Wölfe soll es ohnehin auch geben... Das wird ja immer lustiger hier! Ich glaube, ich gehe auch wieder zum Mopped zurück und lass den Wasserfall Wasserfall sein... ;-)

Ich bin immer bereit umzukehren, möchte aber natürlich schon wissen, wie die Strecke durch die Berge ist und wo sie verläuft. Auch geht das Fahren immer besser, die Twin wird langsam ihrer Bestimmung zugeführt - so zaghaft ich anfangs unterwegs war, nun ist die Scheu abgelegt und die feuchten Kurven werden im Drift genommen ;-) Geil! Geil! Geil! Ein gewisses Maß an Zurückhaltung ist aber trotzdem angebracht, denn ich bin ja nicht nur alleine auf Tour, sondern hier auch wirklich alleine, wo sich Fuchs und Henne "Gute Nacht" sagen - oder doch Bär und Wolf? Auf alle Fälle macht es Mega-Spass!
Nach gut 70 oder 80km kommt nochmal eine spannende Situation: ich bin auf etwa 1750m Höhe angelangt und der Schnee wird immer mehr; aber jetzt auch AUF dem Fahrweg und das als geschlosenen 30-50cm Schneedecke... Umkehren? Jetzt? Nö.

Karte und GPS studiert - eigentlich sollten es bis zum Pass nur noch 200-300m sein! So hänge ich zwischen Abhang und Twin, schiebe das Mopped im 1. Gang, am Gas hängend, kräfteraubend durch den Schnee... Und es war wirklich so: nur eine einzige Länge zwischen den Kehren war so verschneit, die nächste ging schon wieder fast zu fahren und dann war auch schon die Passhöhe erreicht! Jippiieeee! Die ersten beiden Kehren auf der anderen Seite hinunter waren auch noch etwas verschneit, aber danach war der Spuk auch schon wieder vorüber. Gut, dass der Schnee patzig und fest und der Untergrund nass und nicht mehr gefroren war. Ab jetzt geht es Kehre um Kehre zügig talwärts, immer wieder sind kleine Wasserläufe zu queren und das Fahren hier macht sooo viel Spaß ;-)

Um 16:00 bin ich wieder zurück in Metsovo und habe eine ganz tolle Tour durch das Pindos-Gebirge hinter mir. Tagesschnitt 31 km/h!
Ich werde auch noch eine Nacht hier anhängen, denn ich habe heute erfahren, wo die Portitsa-Brücke (bei Spileo) ist und die möchte ich auch sehen.

So. Fertig geduscht, der Abend kann kommen ;-)
Gerade wäre ich bereit für den Ausgang, da schüttet es in Strömen... Na wenigstens tagsüber bin ich verschont geblieben.
Der ganze Abend ist ziemlich verregnet, nach dem Abendessen in der Spelunke nebenan (Loukanika) gehe ich eine kleine Dorfrunde und setzte mich danach noch in das Kafeneion "Petrino". Hier war ich ohnehin noch nie und es macht mir Spaß, die Menschen zu beobachten. Hier sitzen Familien mit Kindern, an einem Tisch wird Tavli gespielt, an einem anderen sitzt eine Kartenspieler-Runde beisammen und am Tisch neben mir sitzen vier alte Männer bei Ouzo und Meze und diskutieren angeregt. Die Musik ist gut, der Metaxa auch und draussen regnet es. Vom Eck-Fenster im Erker hinter mir sehe ich schön aufs Dorf und über das Tal.

Hoffentlich beruhigt sich das Wetter morgen wieder, denn ich möchte nochmal in die Gegend um den Pindos-Nationalpark und ein Stückchen weiter nach Norden, nach Spileo, zur alten Steinbrücke Portitsa. Die habe ich schon mal auf einem Foto gesehen, wusste aber nicht, wo sie liegt.

Morgen werde ich wieder tanken und wissen, ob meine hochtechnische Choke-Reparatur etwas bewirkt und den Spritverbrauch auf ein vernünftiges Maß heruntergeholt hat. Vielleicht kann ich in Athen ein Ersatzteil und eine Tachowelle auftreiben. In Edessa gäbe es ja einen Honda-Händler, bei dem war ich schon mal ;-) Damals hat Jack einen Spiegel für seine Alp gebraucht...


Dienstag, 29.4. Metsovo - Spileo - Metsovo 226km

Ich sitze in Spileo am Hauptplatz und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Bis hierher bin ich gar nicht zum Schreiben gekommen, aber was denn auch. Seit der Abfahrt heute Morgen scheint die Sonne und die Strecke ist eine unterbrechungsfreie Aneinanderreihung von Kurven und Kehren. Ich habe auch schon mindestens 7000 Höhenmeter hinter mir; ein Tal hinunter, das Nächste wieder hinauf, so geht es seit der Abfahrt.

Mein Ziel heute ist die Brücke PORTITSA in der Schlucht bei SPILEO. Als ich Mittags hier ankam, dachte ich, dass ich zu Fuß hinuntermarschieren werde. Dachte ich. Denn mein GPS zeigte mir beim genaueren Hinsehen schlappe 300Hm an! Die wollte ich mir in der Lederhose, in der Mittagssonne, doch nicht antun. Also Mopped starten und Weg suchen. Man kann von hier heroben sehr gut sehen, dass ein Fahrweg hinunter zur Brücke führt. Fragt sich nur, von wo aus. Es führen einige Gassen vom Ort hinaus in diese Richtung und nach wenigen Metern sehe ich auch schon ein kleines Schild das zur Schlucht zeigt. Tja, und das sind letztendlich satte 6km bis ins Tal hinunter!

Die Brücke ist echt sehenswert; eine alte 3-Bogen-Brücke, die den Fluss überspannt. Das beeindruckenste ist aber ihre Lage: genau am Beginn der Schlucht, wo sich das breite Tal zu senkrechten Schluchtwänden aufbäumt. Sicher 100m hoch die Wände und senkrecht abfallend bis ins Wasser. Toller Anblick!

Zurück im Kafeneion am Dorfplatz. Hier sitzt eine Männergesellschaft zusammen, alle gut gekleidet im Anzug, und singen schwere, traurig klingende Lieder. Die Tische sind üppig gedeckt und es macht ganz den Eindruck, als ob die alle schon gut gegessen und ausreichend getrunken hätten. Sieht mir sehr nach Trauergesellschaft aus, aber warum sind keine Frauen dabei...?

Nach einem Cola und viel in-die-Gegend-schauen fahre ich wieder los. Am Weg herauf in den Ort - die Straße ist spektakulär in die Felsen geschlagen - sind mir noch zwei Hinweisschilder zu anderen (alten) Brücken aufgefallen. Die werde ich jetzt auch noch heimsuchen. Also nehme ich den beschilderten Abzweig und gleich gehts richtig zur Sache: "Straße" ist das keine mehr, sondern nur noch grober Fahrweg und es geht auch ziemlich happig bergab. Mehrfach verzweigt sich der Weg, aber nach unten gehts überall - denn der Fluss ist nun mal unten im Tal und Brücken sind zweckmäßigerweise am Fluss. Ergo, ich kann nicht falsch liegen. Denkste! Es wird immer holpriger, hier war schon länger niemand unterwegs... Zwischendurch jage ich einem Schäfer die Herde auf, er grüßt trotzdem freundlich und winkt mir zu. Gleich darauf steh ich unten am Fluss - und hier ist weit und breit keine Brücke! Die Furt ist nichtmal mit einem Geländewagen befahrbar; der Fluss ist zwar nur schmal, aber relativ tief und die Strömung entsprechend. Ausserdem liegen motorblockgroße Felsen im Wasser, ich denke, hier ist es nicht mal zu Fuß einfach, das andere Ufer zu erreichen. Also retour, den Berg hoch, wieder beim Schäfer und seiner Herde vorbei, er winkt wieder und ich denke, es ist wieder freundlich, und am nächsten Abzweig wieder talwärts. es geht ein Stück den Fluss entlang und wirkich, ich komme wieder zu einer alten Steinbrücke. Eigentlich würde ich gerne / müsste ich an das andere Ufer, aber über diese Brücke geht das nicht, nicht mit dem Motorrad. Die endet nämlich gegenüber in meterhohen Felsstufen... Geht nicht ganz mit der Twin. Aaaaber, ein paar Meter weiter flussabwärts gibt es eine befestigte Furt! Die ist zwar seicht, aber schmal betoniert und verläuft schräg durch den Fluss, etwa 20m lang. Klingt einfach, ist aber doch etwas Respekt einflößend, denn zu beiden eiten ist das Wasser schon etwas tiefer und die Furt hängt seitlich auch ziemlich stromabwärts. So, Mut kann man nicht kaufen und Langeweiler leben langweilig, aslo kommen Kamera, Rucksack, Helm und Jacke trockenen Fußes über die Brücke ans andere Ufer, und Berti und die Twin durchs Wasser. Und weil es gar so schön ist, bleibe ich mitten im Fluss stehen, steige ab, wate ans andere Ufer und auf die Brücke und mach ein Foto von der Twin. Somit habe ich wieder mal nasse Füße, aber diesmal selbstgemacht und freiwillig und da ist es gleich gar nicht so schlimm ;-)

Der Weg geht am gegenüberliegenden Ufer ZIEMLICH steil hoch und eigentlich habe ich keine Ahnung, wo er hinführt. Er sieht aber befahren aus und ausserdem kann ich ja jederzeit umkehren. Nach nichtmal 2km erreiche ich einen Wirtschaftshof und nochmal 1km weiter bin ich wieder auf Asphalt, weit schneller, als ich erwartet hatte. Da sich hier auch ein beschilderter Abzweig befindet, kann ich mich leicht orientieren und finde auch gleich den richtigen Weg weiter. Ich fahre noch kurz in das kleine Dorf PAROPIRO hinein, denn vom Platz hinter der Kirche hat man einen schönen Ausblick auf den Fluss, das Tal und den Berg, wo SPILEO liegt und ich vor kurzem war.

Irgendwo in der Nähe von TRIKOMO fällt mir ein Schild auf, das zur Brücke "AZIZ AGA" weist. Der Name kommt mir bekannt vor, ich kann ihn aber nicht zuordnen. Ich glaube, im Mail vom "CDI-Jorgo" (aus Saloniki) war auch ein Foto dieser Brücke. Also schnell abbiegen, die Schotterstraße hinunter wetzen (Schotter hat mittlerweile seinen Schrecken wieder verloren und mach volllll Spaß!) und nach etwa 2km stehe ich wieder am Fluss, und vor der "AHAA"-Brücke1 Wahnsinn - sicher 50-60m lang und gute 15m hoch! Und bitte nicht mit einer modernen Brücke vergleichen, das ist eine im Jahre 1727 aus Steinen gebaute 1-Bogen-Brücke! Ich bin wirklich begeistert!

Ab hier gibts jetz keine "straßentechnischen" Überraschungen mehr, es geht fast durchwegs flott auf Asphalt, aber immer sehr kurvig "heim" nach Metsovo.

Einmal nur, in MONACHITI, verliere ich mich in den engen Gassen des Dorfes und finde den Weg weiter nach MIKROLIVADO nicht. Kein Wunder, denn der unbefestigte Weg zweigt auch schon vor dem Dorf ab. Aber ein altes, freundliches Mütterchen hilft mir weiter und schon bin ich wieder auf Kurs. Bis KRANIA und ab dort auf der Hauptstraße, die von GREVENA kommt. Ab hier ist es auch mit den angenehmen Temperaturen vorbei, binnen weniger Km fällt sie von gut 23°C um Spileo auf die "gewohnten" 11°C hier in der Gegend.

Da fällt es mir auch auf: es war heute richtig warm! Zurück im Hotel sagt mir Anna, dass es ab morgen wirkich schön werden soll. Nur, morgen bin ich weg... ;-)

Abendessen in der Psistaria am Platz. Kokoretsi, aber nicht so gut wie drüben beim Tsaki. Sprit ist auch teurer geworden heute, von 1,26 auf 1,30. Kann mir wurscht sein, denn meine Twin braucht ja seit gestern wieder etwas weniger, hihi ;-)


Mitttwoch, 30.4. Metsovo - Neoxori 194km

9:00 Abfahrt in Metsovo. Gleich zur Tankstelle. 15Liter/230km! Die Twin begnügt sich wieder mit etwa 6,6 Litern!

Im Ort finde ich keine Abfahrt hinunter ins Tal, nach ANILIO, also die Hauptstraße ein Stück zurück und den "offiziellen" Weg nehmen.Die Straße bis zum Ort an der anderen Seite des Tales und die ganze Landschaft hier wird geprägt durch die Baustellen der Autobahn und die der riesigen Brücke. Der Abschnitt hier ist noch immer nicht fertig, da fehlt noch eine komplette, ca. 100m hohe Brücke! Merkwürdig, dass ich die ganze Tage seit ich hier bin keine einzige Menschenseele auf dieser Baustelle gesehen habe.

Der Abzweig nach HALIKI ist noch gleich markiert wie vor Jahren: ein umgefallenes, handgemaltes kleines Schild ;-)
Die Strecke hinauf zum Pass auf etwa 1650m ist zwar schlecht, aber zumindest doch asphaltiert. Im dichten Wald ist es nass und kalt und da es auf einer Seite immer ziemlich abschüssig in die Schlucht hinunter geht, ist etwas Vorsicht angebracht. Oben komme ich in den Nebel, es hat nur mehr 6°C. Und meine Griffheizung hat den Geist aufgegeben... So viel wie auf dieser Reise ging ja noch nie kaputt! Aber ab der Alm oben am Pass ändert sich die Lage: die Sonne kommt durch und es geht auf angenehme 15°C! Die Straße ist auf der Seite nach HALIKI noch nicht fertig, aber frisch planiert und schon geschottert. Und trotzdem stellenweise schon wieder verschüttet oder gar weggebrochen.

10:00 Pause im Cafe in HALIKI.

Die Wirtin spricht gut deutsch, sie war 8 Jahre in Chemnitz. Gleich setzt sich noch ein Mann zu uns und es wird fleissig gefragt und gequatscht ;-)
Ab hier ist die Straße supertoll zu fahren. Immer in der Schlucht, am Fluss entlang; mal links, mal rechts, mal über mehr als baufällige Brücken...

Ich komme wieder am Staudamm vorbei, der See ist noch immer nicht geflutet und das ist gut so. Denn sonst wäre das ganze schöne Tal, durch das ich gerade gekommen bin, nicht mehr vorhanden. Au swelchen Gründen auch immer das bisher noch nicht geschehen ist - gut so. An einem Gebäude steht auch gesprayt "Hände weg vom AOOS"!

Die Strecke ist schön und abwechslungsreich, aber irgendwo hole ich mir meine ersten richtigen Schrecken. Da steht eine Herde Kühe auf und neben der Fahrbahn. ich schlängle mich langsam durch, da geht eines dieser Viecher plötzlich auf Angriff und galoppiert voll auf mich zu! Ich hatte wirklich einen Moment Schiss davor, dass das Viech mich von der Seite vom Mopped holt. Ich konnt ja auch nicht wirklich Gas geben, wegen der Anderen. Ist aber gut gegangen ;-)

Nach VATHIVREMA gibt es laut Karte einen Fahrweg ins Tal hinunter. Ich kann mich erinnern, dass wir diesen Weg auch 2005 gesucht und nicht gefunden haben. Heute habe ich aber Glück und finde den unscheinbaren Waldweg. Und da gehts voll zur Sache! Was ich von Metsovo bis Haliki vermisst habe, kommt hier doppelt retour! Der Weg ist wirklich heftig; erdig und viele Steine. Und sausteil noch dazu. Auf 2km Entfernung überwinde ich fast 1000 Höhenmeter ins Tal hinunter!

Nun sitze ich in einer kleinen Taverne in KATO PALEOKARIA und werde von der Gesellschaft am Mittagstisch begutachtet wie ein Alien. Wohl auch, weil ich hier vom Berg herunter gekommen bin ;-)
Ein Auto bleibt stehen und der fahrer fragt nach dem Weg zu den "Kaskades". Soviel versteh ich. Die Antwort scheint mir aber (typisch griechisch) seeehr umfangreich und nicht eindeutig. Sie fahren wieder los und ich bin neugierig geworden.
Cola und Frappee kosten hier zusammen € 2,20.

Nach einer erholsamen Pause fahre ich weiter, immer ein Auge an der Seite, immer nach den "Kaskades" Ausschau haltend, von denen die Gäste in der Taverne gesprochen haben. So komme ich zu einer großen, alten Brücke über den Fluss neben der Straße, gleich daneben ist eine Taverne und ein Parkplatz und ich halte an. Sieht so nach "hier gibts was zu sehen" aus. Hier steht auch eine TDM und das junge griechische Pärchen geht auch zur Brücke hinunter. Klar, Moppedfahrer sind freundliche Menschen und so kommen wir ins Gerede.

Sie heissen Evgenia und Jorgos, sind aus Athen und machen hier in der Gegend, in Trikala, Urlaub. Und sie erzählen mir von einer schönen, kleinen Brücke, an einem traumhaften Platz mit Wasserfall und dass sie dort jetzt hinfahren! So schließe ich mich an und wir fahren genau die Strecke zurück, die ich eben gekommen bin... komisch.

An einer unscheinbaren Stelle fährt Jorgos links zu und bleibt stehen. Da gehen doch tatsächlich steile Stufen zum Fluss hinunter und man kann hinter den Bäumen die alte Brücke erahnen. Ein paar Schritte weiter und ich bin voll aus dem Häuschen: da ist nicht nur diese 30m weite Brücke, sondern unmittelbar daneben auch dieser Wasserfall! Und wie idyllisch das hier aussieht, fast wie ein Bühnenaufbau ;-)

Wir spazieren herum, machen viele Fotos und erzählen uns allerlei Geschichten. Jorgo´s Bruder und seine Frau kommen auch noch hierher, und noch ein Pärchen und es wird eine lustige Partie. Jorgos und sein Bruder Thomas stammen aus PALEOXORI, einem ganz kleinen Dorf, durch das ich heute schon gefahren bin.

Die beiden wollen morgen auch zum Lake Plastiras und so tauschen wir Handynummern aus, um uns dort zu treffen. Thomas fährt auch Motorrad, seine Frau spricht etwas deutsch und die Themen gehen uns eigentlich nicht aus. Nach zwei netten Stunden hier am Fluss brechen wir alle wieder auf, ich fahre weiter nach KALIVIA am Lake Plastiras.

(Ich sitze hier beim Schreiben gerade in einer kleinen Taverne, in einer Rruhigen Ecke - und jetzt siedelt sich eine Gesellschaft mit 5 Kindern genau neben mir an!!! Aaaaarghhh!)

In KALIVIA angekommen, wird die Zimmersuche etwas schwierig. Der See ist nämlich absolutes griechisches Urlaubs- und Nah-Erholungsziel, jetzt nach den Osterfeiertagen entsprechend gut besucht und auch die Preise spiegeln diesen Umstand wider. Entweder die Häuser sind voll belegt, oder ein Zimmer mit Frühstück kostet € 60,-!!! Das freut mich aber gar nicht sehr. Also fahre ich in die nächste Ortschaft und werde dort fündig. Ein kleines familiäres Hotel in dem ich, glaube ich, der einzige Gast bin. Die Oma wollte zwar auch € 60,- pro Nacht, aber als ich dankend ablehne, mich umdrehe und zum Gehen ansetze, gibt sie sofort auf € 40,- nach. Und da ich ohnehin ein Zimmer brauche, nehme ich natürlich an.

Und da bin ich jetzt. Gute 2km vom See entfernt, die nächste Taverne ~1,5km weit (zu Fuß, ich möcht ja a Glaserl trinken auch) und die nähesten lebenden Individuen sind Maultiere und Schafe. Dafür liegt dieses Haus in absoluter Ruhelage - mit herrlichem Blick auf den See, auch wenns über den kleinen Friedhof hinweg ist ;-) Nein, die Lage hier ist echt super. Ich werde die geplanten drei Tage hier schon sinnvoll ausfüllen. Morgen die Griechen treffen, hier ein wenig herumspazieren, einmal werde ich an den See hinunter und das ist sicher auch ein ganzer Tag.

Im Moment schwanke ich zwischen einem leisen "hier weiß ich nicht, ob ich mich wohlfühle" und einem panischen "ICH WILL NACH KRETA!!!!"

Das Essen war gut (Loukaniko) und das Bier dazu (Mythos) auch. Insofern hat sich der Marsch in den ort herauf gelohnt. BOAH! Der Tsipouro läuft runter wie Öl und das bestellte Verdauerli ist fast 1/8...
Ich glaube, ich werde morgen aber doch nach PEZOULA "rück"übersiedeln. Hier ist mir alles ein bisschen zu abgeschieden. Denn zurück im Zimmer habe ich nur Friedhof, Maultiere und und Hühner... Schaun mer mal.

Ich habe mir beim Weggehen vom Zimmer einen GPS-Wegpunkt gesetzt. Und gut war es. Denn am Heimweg bin ich in der Dunkelheit schnurstracks am Abzweig zur Unterkunft vorbeimarschiert. Den hatte ich in dieser stockdunklen, unbeleuchteten (keine Straßenbeleuchtung...) Nacht einfach nicht mehr gesehen. Irgendwann dachte ich nur, so langsam sollte ich doch da sein...? Hier ist aber auch gar nichts mehr... Das Haus liegt wirklich sehr abgeschieden. Also GPS an und zurückmarschiert ;-)


Donnerstag, 1.5. Neoxori - Pezoula (Mouzaki) 95km

Ich habe die Nacht geschlafen wie ein Butzi.
Es ist sowas von ruhig hier! Am Morgen wecken mich die Sonne vom blauen Himmel, das Vogelgezwitschere und das Gackern der Hühner. Das Frühstück nehme ich im Garten zu mir und es ist super schön und angenehm in der Morgensonne. Trotzdem werde ich heute nach PEZOULA übersiedeln, auch wenn die Oma total nett, hilfsbereit und freundlich ist.

Also fahre ich nach dem Frühstück (das ist hier doch etwas mickrig: dünner Kaffee, Brot, Butter, Marmelade, Kekse) los und finde auch ein Zimmer in PEZOULA, im haus Alexandros. Ganz oben am Hang, hinter der Taverne und der Kirche. Es gibt nur zwei Zimmervermieter hier im Ort. Aber die Dorftaverne ist zu Fuß in zwei Minuten erreichbar und angeblich soll heute Abend sogar Live-Musik sein!
Da ich noch nicht weiss, wann Evgenia und Jorgos kommen werden, fahre ich mal nach Kalivia hinunter, um mir den Ort anzusehen und auch vom Bankomat Geld zu beheben. Kaum im Ort, stecke ich voll im Verkehr fest! Da ist heute alles unterwegs, was Beine und Räder hat! Zum Einen "1. Mai"-Feiertag, zum Anderen Kalivia am See wie Podersdorf am See an einem heissen Sommer-Sonntag. Wahnsinn! Extra Polizei um den Verkehr zu regeln; jede Taverne, jedes Cafe zum Bersten voll, die Straße vom Ort hinunter zum See übervölkert wie die Kärntnerstraße an einem Einkaufs-Samstag!

Ich dränge mich x-mal durch die Menge auf der Suche nach dem Bankomaten, denn der ist irgendwo, auch wenn es hier im Ort keine Bank gibt. Endlich finde ich dieses Ding, aber es mag mir kein Geld geben. Beim 4. Versuch erkenne ich, dass meine Mastercard nicht akzeptiert wird. Da hat er (natürlich in griechsich) irgendwas von "falsche Karte" geschwafelt, der Automat. Also breche ich auf nach MOUZAKI, 16km über den Berg, die nächste kleine Stadt. ich bin kaum den halben Weg, kommen mir in eine Kehre Jorgos und Evgenia entgegen. Halt, brrr, stop! Umkehr und zurück, Geld kann ich auch morgen noch holen. Wir fahren zuerst in den Ort, holen uns einen Kaffee (zum mitnehmen) und eine Flasche Cola und schlängeln uns dann durch die Kolonnen der Feiertagsausflügler hinunter zum See. Das ist wirklich unglaublich, so etwas habe ich in GR noch nie erlebt. Wie auf einem Jahrmarkt.

Wir biegen vor dem Ufer links ab und fahren einen Weg entlang, bis wir etwas abseits das weitläufige, flache Seeufer erreichen. Die Camper und Fischer verteilen sich hier schon etwas und da steigt niemand mehr jemandem auf die Füße. Wir steuern auf eine Gruppe zu; zwei Autos, zwei Zelte und ein paar Personen. Das sind Jorgos Freunde und Verwandte und wir werden schon erwartet. Nach einem kurzen Vorstellen und dem Pflicht-Smalltalk wird es sehr schnell locker und gemütlich. Die Männer haben sieben oder acht Angeln ausgelegt und sind sehr beschäftigt damit; und auch damit, mir das Angeln von der Pieke auf zu erklären ;-)
Der ganze Nachmittag läuft wunderbar locker und nett ab, wir grillen und essen gut, liegen faul herum, quatschen und erzählen uns Geschichten und ich fühle mich sauwohl. Als sich die Gesellschaft gegen 20:00 auflöst und wir alle gemeinsam abfahren, habe ich wirklich das Gefühl, den Tag mit einem Haufen netter Menschen verbracht zu haben. Jorgos und Evgenia fahren noch mit mir bis nach MOUZAKI, ich hole mir doch noch heute Geld vom Bankomat; dann bin ich morgen (ich möchte eine große Runde um den See fahren, aber in die andere Richtung starten) unabhängig und muss nicht mehr hierher.

Gegen 21:00 bin ich zurück im Zimmer in PEZOULA und freue mich schon sehr auf die Dusche. Ich bin ziemlich skeptisch, denn das Zimmer liegt im Erdgeschoß des alten Hauses und das fensterlose badezimmer liegt hinten fast oder schon im Berg. Das Zimmer ist klein aber in Ordnung, die Türe bleibt 24 Stunden am Tag offen, denn hier dürfte ohnehin jeder Zählerkastenschlüssel sperren. Vom Zimmer führt ein um eine hohe Stufe höher liegender kleiner Gang nach hinten in eine Nische, von dort gehts links ins finstere Bad mit Wanne. Der Raum ist so niedrig, dass ich gerade noch aufrecht stehen kann und nur mit den Haaren an der Decke streife ;-) In der Wanne sieht das schon anders aus, da heisst es, etwas krumm stehen. Aber da der Duschschlauch ohnehin auch etwas kurz geraten ist, macht das gar nichts ;-) Auf alle Fälle funktioniert die Dusche gut, das Wasser ist heiss und das passt so!

Abendessen gehe ich hinunter in die Taverne hinter der Kirche. Der Weg ist kurz aber steil, die schmalen Stufen führen zwischen Gärten und Häusern durch, fast durch die Zimmer der Dorfbewohner. Noch ein paar Schritte um die Kirche herum, schon stehe ich vor der Taverne. Die, wo ich gestern war, war eine schöne Taverne. Für Urlauber und Gäste, fremdländisch oder auch Einheimische. Aber das hier ist eine richtige Taverne, nämlich die Einzige und somit das Dorfgasthaus. Und genauso sieht es aus und geht es auch zu. Da wird gequatscht und diskutiert, Tavli gespielt, es läuft der Fernseher, daneben spielen die Kinder, ... In der Mitte steht der alte Ofen und das Abzugsrohr quer durch den Raum heizt irre.
Gleich nach den Eintreten kommt ein älterer Herr auf mich zu und reicht mir zur Begrüßung die Hand. Wo ich denn sitzen möchte...? Das war der Papa, der Hausherr. Dann kommt der Sohn und zählt auf, was es zu Essen gibt. Denn Karte? Gibt es nicht hier. Ich entscheide mich für Paidakia, Salata und Patates, was sich als gute Wahl herausstellt. Vielleicht die besten Paidakia überhaupt; und eine riesen Portion, schon fast ausreichend für Zwei! Weil ich mich beim Bestellen mit meinen mickrigen Griechisch-Kenntnissen scheinbar so bemüht habe und das offensichtlich geschätzt wurde, kommt zu meinem bestellten Bier gleich ein zweites "auf Haus" mit ;-) Was mir besonders gefällt, dass nach dem Essen ungefragt eine kleine Süssigkeit serviert wird, in diesem Fall ein in Sirup eigelegtes Stück einer Orange. Das habe ich schon länger nicht erlebt, zuletzt auf Thassos denke ich (da waren es eingelegte ganze Nüsse). Diese süssen Delikatessen sind in der Regel hausgemacht oder zumindest traditionell lokal.
Am nebentisch sitz eine ältere, aber modern-elegant gekleidete Frau und telefoniert in griechischer Sprache mit jemandem in Wien ;-) So klein ist die Welt...

Uff - auch hier kann der Tsipouro ganz schön was... Und weil ich ja noch fast nichts gegessen hab (haben die die Riesenfuhre Lammkotelettes schon vergessen?) kommt auch gleich ein Tellerchen Meze (Gurke, Ei, Oliven, Brot, ...) mit.

Der heutige Tag unterschied sich von den Vergangenen wieder sehr, war aber auch wieder ein super Tag!


Freitag, 2.5. Pezoula - Pezoula (See-Runde) 109km

Ich muss erst mal meine eher negative Meinung zu dem Zimmer hier revidieren. Es ist zwar sehr einfach und alt, aber trotzdem alles sehr gepflegt und sauber. Der Frühstücksraum auf der Terrasse oben ist zwar auch nur klein, abe total nett und familiär. Zum Frühstück gibt es selbst gemachten Kuchen, selbst gemachten Kuchen, selbst gemachten Kuchen und selbstgemachte Kekse. Ausserdem gibt es ganz leckeren selbst gemachten Käsekuchen und die "Standards" Brot, Butter und Marmelade. Die "homemade foods" sind wirklich lecker!

Erste Tageststaion heute sind die Tankstelle und der Periptero - Sprit, Wasser und Kekse ;-)

Dann fahre ich die schmale Straße nach NERAIDA hinauf. Dieser Ort scheint auch so eine Art griechische Sommerfrische zu sein, es gibt einiges an Zimmern und kleinen Hotels hier. Ich halte mich aber nicht auf und nehme ab hier die Schotterstraße den Berg hoch. Anfangs noch durch Wald, bin ich bald in fast alpiner Landschaft unterwegs und stehe nach 6km vor der Schutzhütte. Schön hier heroben, ein schöner Ausblick ringsum und auf den See! Da meine Twin ja eine Klettermaxe ist, fahre ich auch noch das letzte Stück Weg zum Gipfel, was aber nur mehr ein alm-ähnlicher Weg ist. Der Ausblick ist nicht viel anders, aber wenn ich schon fast heroben bin, möcht ich auch ganz hinauf ;-) Ab hier schlängelt sich die Piste, jetzt wieder planierter Schotter, ins Tal hinunter. Zum Kloster PELEKITIS aus dem 15. Jhdt., wegen dem ich ja jetzt hier bin. Ins Tal hinunter ist die Straße jetzt asphaltiert, es stehen auch einige Autos am Besucherparkplatz. Das kleine Kloster klebt interessant am Felsen und wird nach unten hin über vier oder fünf Etagen immer schmäler; ganz unten vielleicht noch 2m breit. Innen - absolut sehenswert! Wunderschöner Altar in der zentralen Kapelle und viele kleine Räume, eng verschachtelt und durch schmale steile Stufen und Leitern verbunden und begehbar. Man darf auch die meisten der Miniräume betreten, auch bis ganz hinunter in die unterste Etage; der Raum ist nur über eine "Hühnerleiter" erreichbar und misst gerade mal 2x2m. Zwei Nonnen haben ein Auge darauf, dass im Allerheiligsten nichts unheiliges geschieht, aber man betritt solch einen Ort ohnehin nur mit ausreichend Respekt und Zurückhaltung. Sonst darf man sich beliebig frei bewegen, nur ein Bereich ist nicht zugänglich. Ich spaziere ausgiebig herum und bin voll Bewunderung.

Von hier geht es der Straße entlang ins Tal hinunter. Plötzlich, etwas unförmiges vor mir auf der Fahrbahn - ein Stein? Nein, eine Schildkröte! Hat alles eingezogen und liegt einfach da! Da gibt es doch sicher nettere Plätzchen als am Mittelstreifen, auch wenn der Asphalt angenehm warm ist? ich "rette" das Tier und kaum habe ich sie in der Hand, beginnt sie auch schon kraftvoll zu strampeln und zu treten. Natürlich muss ich mir das Exemplar genau ansehen, gar so klein ist sie auch nicht, der Panzer gute 20cm groß. Dann kommt sie (oder "er"?) in die Wiese neben der Straße und macht sich auch gleich munter auf und davon. Ohne ein Dankeswort. Naja. War meine gute Tat zum Tage. Wiedrgutmachung dafür, dass ich gestern fast ein Huhn flach gefahren hatte :-)

Kaffeepause im kleinen Ort KARITSA.

Unten am Stausee angelangt biege ich von der Straße in einen der Waldwege ab. Sieht ziemlich wenig befahren aus, ist ziemlich gatschig und führt auf eine kleine Landzunge zum See hinaus. Am Ende erwartet mich ein ganz tolles Plätzchen in absoluter Ruhelage! Perfekt zum Campen oder nur etwas Ausspannen, solche Plätze gibt es sicher noch einige an dem ziemlich zerklüfteten Seeufer. Es gibt so viele Ausläufer, die sich wieder und wieder verzweigen.

Am Damm des Lake Plastiras ist einiges los. Die Krone ist nur einspurig befahrbahr, die ampelgeregelten wechselzeiten eeeewig lange... Obwohl mehr, wesentlich mehr als eine Pkw-Breite vorhanden ist, wird gefahren wie auf ohen Eiern. Und - richtig geraten - mit Warnblinkanlage! Ist ja echt eine kritische Situation, so eine Fahrt am Damm entlang... Der wendeplatz an der anderen Seite, dir Fahrbahn knickt spitz nach hinten weg, ist scheinbar mit ~15m Durchmesser auch etwas knapp bemessen, für manche zumindest... Ohne 2x reversieren geht da gar nichts.

Auch wenn die griechische Kultur alt ist und als die Wiege Europas gilt - das Autofahren wurde nicht hier erfunden.

Nimm einem Griechen die Warnblinkanlage und er ist verkehrsunfähig. Bei jeder Gelegenheit wird diese verwendet. Ob man nun in 2. Spur hält, oder generell der Verkehr einfach stoppt, beim Einparken, einfach jedesmal, wenn etwas anders als fließend ist - "Warnblinkanlake ein". Das kommt mir so vor als ob in der Fahrschule gesagt wird: wenn du mal nicht weisst was du tun sollst, schalt die Warnblinkanlage ein. damit bist du auf der (vermeintlich) sicheren Seite. Und das ist einfach nervig oft. Ein Auto fährt rechts zu. Nein, es blinkt nicht einfach rechts, sondern wird langsamer und mit Warnblinkanlage. So wird zugefahren. Warum nicht einfach ganz normal blinken, so wie sonst auch auf der ganzen Welt? Was ist daran falsch???

An den Ständen und Buden beim Damm kann man alles kaufen, was man braucht oder auch nicht braucht. Souvenirs, kleine Speisen, Getränke, Geschirr, Spirituosen, Spielzeug, Heilcremen, ... Es ist total lustig, das Treiben hier zu beobachten.

Etwas später und nach einigen weiteren Aufenthalten am Ufer bin ich mit meiner um-den-See-Runde fertig und wieder an der Stelle angelangt, wo wir gestern gegrillt hatten. Gestern war es übervölkert hier und heute muss man die paar Menschen mit der Lupe suchen...Die Wiesen am Ufer gehören wieder den Schafen und vereinzelt sind Fischer zu sehen.
Hier wäre jetzt ein Teleobjektiv ganz praktisch. Man kann nämlich den Kormoranen, Reihern und Möven beim Fische fangen in Ufernähe zusehen. Es ist nichts zu hören, ausser dem Geschnatter der Vögel und dem Quaken der Kröten oder Frösche, die ich nicht sehe, nur höre. Hey, hier kann man ja richtig zum Tierbeobachter werden! Ich glaube, da ist auch so eine Art Seeschwalbe dabei. Die haben so einen längeren, gespaltenen Schweif. Und die Frösche halten überhaupt nicht die Klappe!

Man kann immer wieder von der Straße, die in einigem Abstand vom Ufer verläuft, zum See hinaus und dann länger oder kürzer im flachen Uferbereich entlang fahren. Man muss nur etwas aufpassen, die Wiesen sind stellenweise ziemlich sumpfig! Aber wenn man sich an die Spuren hält, passt das schon. Einmal wäre mir ein ganz kleiner Bach fast zum Verhängnis geworden: seicht, höchstens 1m breit, aber zieeemlich schlammig. Mit Schwung ging da gar nichts, weil das Ufer stufig war, also erst mal langsam mit dem Vorderrad... das war es auch schon weg, im Schlamm bis zur Achse. Uff. Zurück geht jetzt gar nichts mehr und vorwärts auch nur mit viel Kraft und Schweiss. So ein Hundsviech, dieses Rinnsal. Ich krieg das Vorderrad so recht und schlecht gegenüber wieder hoch und sinke gleichzeitig hinten voll ein. Ran ans Gas und nach einem halben Meter steckt die Fuhre fest. Jetzt tut sich erst mal gar nichts, ausser dass viel Dreck fliegt. Uiui, da wird sich der Berti aber anstrengen müssen... Runter vom Bock und Gas und schieben und Gas und schieben... Zentimeterweise komme ich aus der Brühe heraus und bin froh, dass mir dass nicht schon ein paar hundert Meter früher passiert ist. Da bin ich nämlich an einer Schafherde vorbei und hatte plötzlich fünf räudige, böse kläffende Köter am Hinterrad hängen! Und zwei von denen waren ganz schöne Kaliber. So schnell wollte ich hier gar nicht fahren ;-)

Ein Stück weiter, ein weiteres kleines Flüsschen, so 10m breit aber ganz seicht und fester Grund. Überhaupt kein Problem.

Das Westufer des Sees ist eigentlich das Schönere, weil das Ufer hier weitläufig und flach verläuft, mit viel Wiese bis zum Wasser. Wirklich perfekt zum Campen. Das Ostufer ist zerklüfteter, bewaldet und die letzten Meter zum Wasser sind steinig und kahl.

Und hab ich mir vor einigen Tagen noch den Arsch abgefroren - hier rinnen mir jetzt die Schoko-Kekse davon ;-)
So, ich vertschüss mich wieder. Die Glöckchen der Schafe klingeln immer näher... Schafe => Hunde => sind doof.

Am Abend in PEZOULA bin ich der einzige "richtige" Gast in der Taverne.
Die Männer sitzen hier nach der Arbeit bei einem Bier zusammen, einer von ihnen ist der Kellner, ist aber noch im Arbeitsgewand. Schnell ist das heutige Menü durch: Lammkotelette, Schweinskotelette oder Bifteki - die nehm ich! Plus Salat plus Bier, es kommt auch wieder ein Zweites dazu, das dürfte hier so Brauch sein ;-)

Mir fällt auf, es sitzen die selben Gäste wie gestern hier; die konsumieren aber kaum etwas, sondern reden und diskutieren, lesen Zeitung oder spielen Karten. Das ist so der richtige Dorftreff hier.

Die haben heute hier glaub ich gar keine Küche laufen. Mein Essen kommt nämlich, fertig am Teller, durch die Vordertüre herein! Lustig.
Essen lecker, Bierli auch, ich bin schwer am Karten studieren. Möchte Meg. Horio nicht auslassen, aber eventuell auch einen Abstecher nach Euböa irgendwie unterbringen. Grübelgrübelundstudier...
Ich sitze so da und beobachte die Leute, da wird eifrig etwas gestöbert. Papa schickt den Sohn hin und her auf der Suche nach irgendwas. Endlich ist es gefunden: ein Prospekt von der Gegend hier! Das wird jetzt mit Widmung im Auftrag vom Papa datiert und mir ehrenvoll übergeben :-)


SA, 3.5. Pezoula - Megalo Horio 175km (5 Stunden reine Fahrzeit!)

Ich habe meinen Plan etwas abgeändert.
Werde nur zwei Tage in Megalo Horio bleiben und dafür zwei Tage Euböa einschieben. Wenn tatsächlich im Norden und im Süden der Insel regelmäßig Fähren verkehren, wäre das einfach machbar. Denn ich wäre bei der Weiterfahrt von RAFINA auch wieder flott in Piräus. Das lass ich mir aber offen und entscheide kurzfristig.

Bin jetzt am Pass auf 1720m und es weht ein eisiger Wind. Heute früh war der Berg noch in Wolken gehüllt, die haben sich aber fast gänzlich verzogen. Die Strecke hier herauf war das Anstrengenste bisher.
2. Gang, max. 25km/h. Nur Steine und schlammige Erde. Oft auch nur im 1., dann auch noch in der Offroad-Version mit Unterstützung der Beine... Und auf einer Seite fast immer ein toller Abhang! Aber es ist traumhaft schön hier, fast wie in den Alpen. Viele Raubvögel fliegen herum, Falken oder so. Von hier aus kann ich unten im Tal schon mein nächstes Ziel, PETRILO, sehen.

So. nach 47km Schotter und einer Fahrzeit von 1:40h bin ich durch die Berge und in TROVATO angelangt. Hier auf 1000m hat es schon wieder angenehme 23°C. Leider gibts hier keinen Kaffee für mich, das Dorf ist ziemlich verschlafen. Am Weg hierher hab ich vier junge Griechen getroffen, die auf "Heimaturlaub" in TROVATO waren. Vassilis spricht ausgezeichnet Englisch, denn er hat in Leeds studiert. Er erzählt mir von dem kleinen Kloster STANAS, das ich dann auch besuche. Es liegt hoch oben über der Schlucht, klebt wie ein Schwalbennest am Felsen. Ich treffe dort niemanden an, gehe ein bisschen herum und fahre wieder weiter.

Mittagspause in AGRAFA.
Das Dorf liegt, abseits vom Hauptweg durch die Schlucht, in einem kleinen Seitental. Zuerst am Boden entlang, dann über einige hundsenge, steile Kehren hoch hinauf auf den Berg. Ist aber ein richtig nettes Dörfchen hier, es gibt einige Kafeneions und sogar einige Zimmervermieter. AGRAFA ist aber auch von der anderen Seite zu erreichen, von dort auch einfacher. Wahrscheinlich gibt es hier auch einen politischen oder geschichtlichen Hintergrund, denn etwas oberhalb vom Dorf steht eine Statue (sieht aus der Ferne aus wie ein Soldat), flankiert von wehenden Fahnen.
Hö! Da klebt doch tatsächlich ein Africa Twin Hellas - Pickerl am Fenster vom Kafeneion!

70km bisher, 2:30h Fahrzeit. Und nochmals etwa 70km bis KARPENISSI, davon gut 50km mit Verhältnissen wie bisher. Das Fahren hier ist schon Respekt einflößend. Immer wieder ist die Fahrbahn äusserst holprig, auch liegen Unmengen Geröll herum. Und es geht IMMER auf irgendeiner Seite fast senkrecht in die Schlucht hinunter. Hier mag ich keinen Ausritt fabrizieren. Das wäre äusserst ungesund für Ross und Reiter.

Der weitere Verlauf der Strecke durch die Schlucht bleibt grandios und beeindruckend. Bis zur letzten Brücke, etwa bei Tageskilometer 85. Ab hier ändert sich das Bild. Die Piste ist frisch geschoben, planiert und lose geschottert. Vorbereitet zum Asphaltieren. Die Betonverbauungen zu beiden Seiten sind auch wenig attraktiv, alles hier hat Baustellen-Charakter. Bei km 100, etwa in der Gegend um AMBARES, komme ich wieder auf Asphalt. Die Strecke hierher war, abgesehen vom letzten Stück, toll - trotzdem bin ich im Moment etwas enttäuscht. Denn hier ist nicht, wo ich hin wollte. Ich bin hier in der Gegend mal an einer kleinen Brücke vorbeigekommen, an der eine Schotterpiste endete. Das war genau an einem Ausläufer des Lake Kremaston. Seit damals hatte ich den Gedanken,über eben diese Piste mal hierher zu kommen. Und ich war der festen Überzeugung, dass das eben die gerade gefahrene sei. Aber - leider Fehlanzeige. Jetzt hocke ich da, an der Straße nach KARPENISSI und grüble darüber, wo der Hund begraben liegt... Ich hatte diese Stelle nur in meinem Kopf, es war aber ein andereer Ausläufer des Stausees.

17:00 Ankunft in Megalo Horio. Zimmersuche, 1. Versuch ist gleich erfolgreich (hab ich auch gehofft), wieder bei Kiki im Haus PETRINO. Total nette und freundliche Familie; pflegen die Zimmer, als ob es ihre eigenen Wohnräume wären. Und auch das Fläschchen Raki steht wieder auf der Kommode ;-) Ich fühl mich wirklich ein bisschen daheim hier! Wenige Minuten nachdem ich angekommen bin, geht die ganze Familie fein herausgeputzt aus. Auch Andere habe ich schon in Festtagskleidung gesehen und als ein Konvoi Autos hupend vorbeizieht, ist mir klar: da ist eine Hochzeit heute im Ort!

Später...
Das gibts ja nicht! Da komm ich hunderte, ja tausende Kilometer hierher und suche die Ruhe, da ist das ganze Dorf gerammelt voll, jedes Lokal quillt über und das Einzige, in das ich gerne Essen gegangen wäre (die kleine Spelunke am hinteren Ortsende) hat geschlossen... Waaaruuum ?!? - Ok, ist ja trotzdem ein netter Abend. Abendessen in der Taverne am Ortseingang rechts, die mit dem weitläufigen Garten; das Essen ist gut und das Personal freundlich und nett.


Sonntag, 4.5. Megalo Horio - Runde 172km (wieder 5 Stunden reine Fahrzeit!)

Frühstückszeit. Unten im Frühstücksraum im Untergeschoß ist alles finster. Bin ich zu früh dran? Ist ja Sonntag... Ich schnappe mir die Kamera und marschiere eine Runde durchs Dorf. Schön, jetzt schläft noch alles. Nur in der Kirche ist schon die Hölle los. Ui, wie das klingt :-) Etwa eine Stunde später, so gegen 9:00, bin ich wieder im Haus. Frühstücksraum finster. Hmmm. Aber er, der Sohn von Kiki, hat doch gesagt, hier gibt es Frühstück? Ich setze mich vors Haus und warte. Die Messe ist vorbei, alle gehen laut tratschend heim. Frühstücksraum: finster.
Gut, dann schau ich mal hinter die Theke. Da ist Brot, da sind gekochte Eier... Im Kühlschrank ist saft, Butter und Milch... Im Kastl ist Tee, Kaffee, Kakao... Auf der Anrichte daneben der Wasserkocher, der Toaster, das Besteck und Geschirr... Alles da! Und das war es sicher auch schon um 8:00 ;-)
Ist quasi "Selbstbedienung" hier, das muss man natürlich wissen... Beim letzten Mal als ich hier war, gab es noch nichtmal diesen Raum. Da freut sich der Berti und fühlt sich gleich wohler.

Dann breche ich auf zu meiner Tagesrunde. Dort, wo der TRIKERIOTIS und der KARPENISSIOTIS zusammentreffen, gibt es jetzt ein kleines Cafe, das "Dipotamos".
Hier bieten sie Kanu-, Wander- und Luftkissenfahrzeug-Touren an! Den Fluss entlang zum Lake Kremaston und retour. Und, was mich sehr interessiert, Wanderungen zu "Panta Vrechi", den Wasserfällen. Deswegen interessant, weil ich schon drei mal unmittelbar in deren Nähe war, aber noch nie direkt bei den Fällen. Und die liegen eigentlich gar nicht so weit von hier?!? Vielleicht ist das einen Versuch wert? Also rauf aufs Affi und los, Abzweig zuchen! Gar nicht weit von hier geht links ein Fahrweg ab, hinunter in die Schlucht, zum Fluss. Nach einer Furt um eine Biegung herum und wieder hoch. kurz: alle Wege, die ich fand, bin ich abgefahren, alle enden irgendwo im Nirvana. Ein Einziger scheint weiter zu führen, dieser ist aber unpassierbar. In einer Höhe von etwa 50m über dem Fluss ist ein Stück von gut 10m Länge komplett weggebrochen und in die Tiefe gerutscht. Mit einem Fahrzeug völlig unpassierbar. Bleibt nur noch die Möglichkeit, wild an einer geeigneten Stelle durchs Wasser. Unten an der Furt erkennt man, dass an der anderen Seite Fahrspuren sind, aber ich komme hier - jetzt - mit der schweren Twin nicht durchs Wasser. Mit einem Jeep wäre das problemlos machbar, oder auch mir einem Quad. Aber mit der Twin zur Zeit leider nicht, nicht alleine. Wenn die Furt erstmal von den großen Felsbrocken befreit ist und man mit Schwung durch kann, gehts auch mit dem Mopped. Aber jetzt müsste man sich Stein für Stein vortasten und das ist mir doch etwas zu riskant. Ich studiere hin und her, gehe auf und ab, finde aber keine geeignete Stelle. Schade. Aber ein Grund, wieder hierher zu kommen - hallo Jack ;-)

Zurück im Cafe plaudere ich mit Sofia (der Wirtin) hier über die Situation und sie erzählt mir, dass von der anderen Seite (ROSKA - PRODROMO - KASTANIA) eine Straße in Planung sei.
Es wäre auch durchaus interessant, das ganze zu Fuß anzugehen ;-)
Vielleicht bleibe ich doch noch eine Nacht hier und sehe mir das morgen an...
Der nette Herr, der sich dann mit seiner Anavasi-Wanderkarte (1:100.000) dazu gesellt, macht einen kompetenten Eindruck und erklärt mir, dass das besser im Sommer sei. Denn PANTA VRECHI sei nur über den Weg durch den Fluss zu erreichen und der sei zur Zeit noch mindestens brusttief. Gut, dann eben nicht. Später, als ich abfahre, drückt mir Sofia noch ein Prospekt und eine DVD von EVRITANIA in die Hand.

Zurück nach KARPENISSI tanken, dann eine Runde fahren. Ziel ist bei PROUSSOS die "schwarze Höhle". Kurz ausserhalb der Ortschaft, an der Brücke, geht recht der Fußweg hinauf in den Wald. Festes Schuhwerk ist angebracht, es geht felsig und steil am Bach entlang und ist stellenweise etwas rutschig. Nach rund 20min ist die "Mavri Spilia" erreicht. Man erkennt sie erst im letzten Moment, wenn man schon fast davor steht. Eigentlich keine Höhle, sondern eine große Felsnische. Abgemauert, mit Türe und Fenstern, aber verfallen. Der Zweck ist mir unbekannt. Interessant anzusehen, netter Spaziergang. Ja.

Von hier möchte ich noch weiter zum Lake Kremaston. Über ASPROPIRGOS und VELOTA über den Berg nach SARKINI, eine "weisse" Strecke laut meiner Karte. Die Straße ist aber neu ausgebaut und flott sind wieder mal 800 Höhenmeter auf tollen Serpentinen heruntergespult, dass die Stoppelreifen singen ;-)
Der Asphalt scheint ziemlich neu, ist noch richtig schwarz. Trotzdem, typisch griechischer Straßenbau: jede Menge Geröll auf der Fahrbahn, immer wieder rutschen ganze Hänge auf die Straße. Oder diese selbst senkt sich auf -zig Meter Länge.

Am Weg nach AGLIANOS wieder ein spektakulär in die senkrechte Felswand gehauenes Stück Straße, hoch über dem Fluss. Da hängen Brocken 2m weit aus der Wand, mit faustdicken Rissen... Das Geröll auf der Straße sagt den Rest. Ich hab ein sehr flaues Gefühl in mir beim Durchfahren dieses Abschnittes...

Lustig - komisch: keine 500m später endet die Straße und geht in die alte Schotterpiste über. Diese mündet wieder ein Stück später in die alte Aspahltstraße, die bis zur großen Tatarna-Brücke über den Lake Kremaston führt. Ich kehre in der ziemlich verlassen wirkenden Taverne vor der Brücke ein. Kaffe- und Toastpause ( zusammen € 3,-), mein erstes Essen heute. Ein einziger Tisch im Garten, dafür aber in der ersten Reihe fussfrei, mit sehr schönen Ausblick auf Brücke und See. Und absolute Ruhelage - null Verkehr!

Von hier fahre ich aber nicht weiter nach Norden, zur Hauptstraße, sondern wieder ein Stück zurück zum Abzweig nach SELLA und MILIA (weiss).
Das erste Stück ist wieder 1. und 2. Gang - Kletterei auf ruppiger Schotterpiste, faustgroße lose liegende Steine. Ganz schön anstrengend, und das über 600 Höhenmeter!
Von oben dann wirklich grandioser Ausblick auf den See und die Brücke!
Während der Rückfahrt, ab der Rast an der Brücke, hab ich mich etwas unwohl gefühlt. Die Strecke, etwa 45km bis KARPENISSI, schien ziemlich abgelegen zu liegen und unbefestigt zu sein. Normalerweise kein Problem. Aber heute war es schon etwas spät und ausserdem sah es ziemlich nach Regen aus. Und nass werden die spassigsten Pisten manchmal ziemlich ungut. Aber nix passiert, der erste Teil wie geschrieben und ab FIDAKIA unerwarteterweise Asphalt. Schön schlängelt sich die Straße dahin, größtenteils so auf 1100-1300m Seehöhe. Was auffällt ist, dass der Aspahlt fast durchwegs rötlich belegt ist und überall Erde und Felsen neben der Fahrbahn gehäuft sind. Die Hänge zu beiden Seiten sind immer bis zu 20m hoch vom Regen gelöst und ausgewaschen, die erste Baumreihe zum Fallen bereit. Manchmal sieht das ziemlich bedrohlich aus.

Etwa 8km vor KARPENISSI erreiche ich die Hauptstraße. Ich habe keine Ahnung warum, das ist ja schon eine ausgewachsene Stadt, aber mir kommt bis dahin kein einziges Fahrzeug entgegen. Wobei, eigentlich ließen sich alle, die ich heute gesehen habe, an einer Hand abzählen. So gleite ich gemütlich - und vor allem trocken! - zurück nach MEGALO HORIO. Es ist schon etwas dämmrig, wohl auch wegen der dichten Wolkendecke. Als ich in den Ort einbiege, öffnet sich hinter dem Berg am Gegenhang der Himmel und die Abendsonne strahlt wie ein Punktscheinwerfer auf das Dorf! Das sieht suuuper aus! Kaum habe ich schnell ein Foto geschossen, ist das Schauspiel auch schon wieder vorüber.

Abendessen: leider hat eine meiner Lieblingstavernen in ganz Griechenland auch heute geschlossen. Die Kleine, am oberen Ortsende.
Nachdem es nicht allzuviel Auswahl gibt, eigentlich keine, bleibt mir nur wieder die Taverne von gestern. Ist ja eh ok dort.
Loukaniko war gut, der gebratene Käse auch. Und sehr sättigend! Als Nachspeise kommt ungefragt eine große Portion Yoghurt mit vielen eingelegten Früchten, dunkel und süss, ich glaube es sind Birnenstücke. Als ich schon zahlen will, kommt der Wirt und fragt, ob ich denn noch einen Kaffe möchte. Ich lehne dankend ab und bekomme stattdessen noch eine Karaffe Wein serviert... ;-)

Morgen warten fast 400km bis Athen auf mich. Über KARPENISSI und LAMIA wären es etwa 80km weniger, aber sicher nicht so abwechslungsreich und schön wie die Strecke über NAFPAKTOS und ITEA am Golf von Korinth entlang.


Montag, 5.5. Megalo Horio - Piräus 375km

Da ich heute Früh wieder mal alleine im Haus bin (bezahlt habe ich noch gestern Abend), sehe ich mir nach dem Frühstück noch die anderen Zimmer an, die Schlüssel stecken ja überall. Vier sind es im Obergeschoß, meines das Kleinste. Eines ein bisschen größer, mit Kochmöglichkeit und die zwei Anderen sind richtige Apartments, mit getrenntem Schlaf- und Wohn- und Küchenbereich. Und superschön eingerichtet, mit großer Terrasse mit Blick aufs Dorf und über das Tal. Und jeweils einem offenen Kamin im Wohnzimmer! Im Erdgeschoß wohnt ja die Familie selbst, im Untergeschoß gibt es jetzt auch noch drei Zimmer.

9:00 Abfahrt.
Das Stück Straße vom Dorf hinunter ist noch regennass, der Wald dampft und die flache Morgensonne strahlt seitlich duch die Bäume.
11:00 NAFPAKTOS. Kühl, windig, immer wieder etwas Regen. Die 110km bis hierher sind ziemlich zäh; immer auf schmalen, kurvigen Nebenstraßen unterwegs, kaum flotte Km zu machen. Bis THERMO ist zumindest die Landschaft interessant, ab da bis NAFPAKTOS eher trostlos. Normalerweise beginnt ab THERMO, wie der Name schon sagt, die Hitze und der Sommer, oder aber spätestens hier ab NAFPAKTOS am Golf von Korinth. Ist aber heute gar nicht so. Darum hält mich hier auch nichts auf ;-)

Normalerweise kommt hier ein "Juhuuu, das Meer!"
Heute ist es aber eher ein "Aha, es regnet wieder mal."

Ich muss am Mopped die Kette spannen, was die Aufmerksamkeit der kaffehausbesucher auf mich lenkt und gleich danach gehts wieder weiter.
Ein bisschen später ändert sich das Wetter, es wird tatsächlich sonnig und warm!
Bis ITEA ist es ein Küstenstraßen-Kurven-Gleiten ohne Schalten, ohne Bremsen. Super!
Ein Stück danach schwenkt die Straße weg von der Küste; sofort wird es wieder kühl, die dicken Wolken über den Bergen lassen es auch wieder ein bisschen regnen. So wechselt es dauernd.

Durchmarsch bis irgendwo bei PETRA. Erst hier findet sich eine Taverne, wo es sonnig und warm ist. Hier war ich auch schon mal früher.

Die Spritpreise sind sehr verschieden: von den Diskontern ab 1,02 bis zu den Marken um 1,33 (95 bleifrei)

16:00 Piräus, Gate 3
Über ELEFSINA auf die alte Stadtautobahn. Dann den (meistens) gut sichtbaren Schildern folgen. Auf 2 Spuren wird 3spurig gefahren, auf 3en 4spurig, usw. Pannenstreifen sind zum Überholen da, wenn nicht gerade geparkt wird oder ein Verkaufsstand im Wege steht. Diese letzten Km erfordern starke Nerven, Coolness und "griechisches" Verkehrsverhalten. Hupen und fahren. Nur nicht bremsen oder nachlassen. So komme ich zügig und sicher ans Ziel. Und falls man selbst gerade mal rechts überholt - nicht wundern, wenn man trotzdem auch noch rechts überholt wird! Da war man eben zu langsam... ;-)

Für mich ist es jedesmal ein Erfolgserlebnis, punktgenau und ohne Irrfahrten hier am Gate 3 anzukommen.

Kaffee in Piräus, am Hafen herumspazieren, einschiffen. Kabine 6013 auf der KPHTH II.
Ruhige Überfahrt, 6:00 Ankunft in Heraklion.


Dienstag, 6.5. Heraklion - Agia Galini 85km

Schnell sind die Km an die Südküste heruntergespult. Ausserdem ist mir bei 13°C ohnehin viel zu kalt, als dass ich mich in einem Dorf irgendwo mit Kakao und Tyropita hinsetze und den Morgen genieße. So komme ich nonstop in Galini an, aber hier scheint noch alles und jeder zu schlafen. Es ist aber auch noch nichtmal 8:00.

Ich setze mich bei Niko auf der Terrasse in die Sonne und da ist es auch schön auszuhalten. Irgendwann taucht er auf, ich bekomme mein Zimmer 201 und quartiere mich ein. Natürlich müssen wir uns auch ein bisschen austauschen, weil seit vergangenem Sommer ist ja einiges geschehen.
Dann mache ich eine Dorfrunde, aber viele bekannte Gesichter laufen mir nicht über den Weg. es ist aber auch wirklich noch sehr ruhig hier. Nur Janni treffe ich, meinen "Ex"-Fisherman und der treibt mich gleich in mein erstes Dilemma: morgen fährt er nach GAVDOS und ob ich denn mit möchte! Was für eine Frage - ja natürlich möchte ich! Aber die geplanten vier Tage schrecken mich ein wenig ab. Ich habe Zeit bis morgen Früh, mich zu entscheiden.

Schwierig...
Erst man eine Stunde darüber schlafen, auf der Terrasse, in der Sonne...

Jetzt sitz ich da, bei Bierli und Meze, und es ist genauso schwierig wie zuvor. Mir aber auch gleich am ertsen tag so eine Entscheidung abzuringen!

Typischer Dialog mit Niko:

N: you want a Raki?
R: no, thanks!
N: in this glass?

Abendessen bei Michalis: Bifteki (2 wirklich große!) mit Pommes + Bierli € 5,50!


Mittwoch, 7.5. Galini

Nix fischen auf Gavdos. Vier Tage auf See, die meiste Zeit nur auf dem Schiff, sind mir zu lange.
Ich treff mich mit Werner, wir fahren allerlei Wege ab, die er zu erledigen hat; OTE, Polizei in Spili, dann nach Mires zum Steinmetz, wo Marmor und Granit im großen Stil verarbeitet werden. Werner benötigt eine Tischplatte und bekommt diese auch prompt geschnitten und geschliffen. Danach genehmigen wir uns ein gemütliches Glas Wein in VORI und quatschen über Gott und die Welt. Dann gehts wieder zurück nach Galini. Ich haue mich ein Weilchen aufs Ohr und fahre später nach Ag. Jorgos. Michali hat sein Kapäuschen etwas saniert, das Schilf geschnitten und das Dach erneuert. Sieht richtig nett aus! Hoffentlich nicht "zu" nett...


Donnerstag, 8.5. Galini

Fußmarsch nach Kokkinos Pirgos.
Die versteinerte Austernbank ist frisch freigespült und gut zu sehen. Der Abstieg in der vorletzten Rinne ist schmal und tief!
Nachmittags schwerer Regen und Sturm. Kalt!


Feitag, 9.5. Galini

Fahrt nach Ag. Jorgos. Kalt und windig bei 18°C.
Werner wurden heute in Heraklion seine Kennzeichen abgenommen. Für 20 Tage, zusätzlich € 80,- Strafe! Und daas nur für falsch Parken, vor dem Museum.
Ist einerseits lustig, andererseits aber doch nicht, weil er ja aufs Auto angewiesen ist.
Auf alle Fälle hat er das Fehlen der Nummernschilder erst am Weg zurück nach Galini bemerkt... ;-)
So habe ich mich angeboten, ihn bei eventuellen Wegen mit der Twin zu unterstützen. Ich kann mir schon lebhaft ausmalen, wie amüsant das für die Einheimischen sein muss, uns zwei Lackln auf der Twin herumjuckeln zu sehen...


Samstag, 10.5. Galini

Agios Jorgos zu Fuß. Am Morgen sonnig und warm, ab Mittags zuerst stark dunstig, dann windig und kühl bei 20°C.


Sonntag, 11.5. Galini

Agios Jorgos.
Am Abend jede Menge Raki mit den heute angekommenen Chrisi & Franzaki


Montag, 12.5. Galini

Franz & Chrisi haben ein Auto gemietet.
Wir fahren eine große Runde: Zaros (Frappee am See), Mires (Kotelette Essen!), Vori (wir kommen natürlich NICHT ins Museum, sondern bleiben im Cafe hängen...), Matala (hier war ich sehr überrascht! Die Preise sind echt gut dort; Soft Drinks € 1,- Bier 2,- Frappee € 1,50 Speisen € 4,- bis 6,-)


Dienstag, 13.5. Galini

Agios Jorgos.
Am Abend lecker Essen bei Agamemnon (Werner, Eva, Mariette, Franz, Chrisi)
Danach in Miro´s Music Cafe bis 5:00... ;-)


Mittwoch, 14.5. Galini

Ruhetag...!
Frühstück (Kaffee, Raki, Käse, ...)
Lustiger Nachmittag am Strand, bei Kostas Taverne und in Jorgo´s "so far so good" - Strandcafe
Am Hafen. Ich treffe Janni "geiler Bock" Sakturion nach vielen jahren wieder mal ;-) Hat jetzt eine Taverne irgendwo hinter Festos.

Ein Grieche, den ich nicht kenne, kommt auf mich zu und sagt in gebrochenen Englisch: "You are the Austrian, fishing with Janni? I was a little boy then! Welcome again!" Und die "Prost"-Geschichte lebt nach 25 jahren immer noch ... Hihi!


Donnerstag, 15.5. Galini

Ausflug nach Preveli


Freitag, 16.5. Galini

Zu Fuß nach Agios Jorgos


Samstag, 17.5. Galini



Sonntag, 18.5. Galini

Ich gehe mit Werner die Kiesel-Schlucht; leider hab ich keine wetterfeste Kamera dabei, denn es gibt noch wirklich viel Wasser in der Schlucht!
Werner und ich zum ertsen Mal gemeinsam auf der Twin ;-)


Montag, 19.5. Galini

Psiloritis.
Nur noch wenig Schnee; aber trotz schönem Wetter bläst ein eisiger Sturm ab dem Grat. Oben am Gipfel kann ich kaum stehen.
Aufstieg 1:40, Abstieg 2:00


Dienstag, 20.5. Galini

Ruhetag in Agois Jorgos.


Mittwoch, 21.5. Galini

Besuch des Ethnologischen Museums in Vori.
Karin kommt. Ich hole sie mit dem Motorrad von Heraklion ab.


Donnerstag, 22.5. Galini 167km

Mopped-Tour:
Agii Farangi (fahren bis zur Absperrung, dann marschieren; wider Erwarten sehr viele Leute in der Bucht, weit über 20)
Kali Limenes (Kaffeepause)
Lentas (Kaffeepause)
Tripiti (urige Taverne nach der Schlucht, lecker Wein und Meze)
Kofinas (Geier beobachten!)


Freitag, 23.5. Galini 86km

Rouvas (Schlucht)
Zaros (Forellenzucht, See)
Faneromeni (Damm, Stausee)


Samstag, 24.5. Galini - Heraklion 85km

Ein letztes Mal in Agios Jorgos.
Bei Niko bezahle ich für 18 Tage Quartier, inklusive Frühstück und aller (!) Konsumation € 477,-

18:00 Abfahrt
20:30 Heraklion, KRHTH II


Sonntag, 25.5. Piräus - Airport - Patras 395km

06:30 Abfahrt von Piräus.
Nach wenigen Minuten sind wir aus der Fähre draussen und unterwegs zum Flughafen nach ???
Der Weg ist ausreichend (für griechische Verhältnisse gut!) beschildert; nach Süden, immer entlang der Küste und dann hoch zum neuen El. Venizelos.
Die 48km gehen viel besser und flotter als ich es erwartet hatte. Besonders im innerstädtischen Bereichwar ich überrascht, wie unkompliziert die Strecke ist. Von der Hafenausfahrt in Piräus gleich direkt rechts ab und einfach immer der Schnellstraße entlang. Ungewöhnlich wenig Verkehr.

Nachdem ich Karin am Flughafen "abgegeben" :-) habe mache ich mich auf den Weg nach PATRAS.
Am Flughafen erhalte ich noch ein Strafmandat wegen falschparken; ich stand aber auch gleich als erstes Fahrzeug direkt neben den Haupteingang, kaum zu übersehen ;-) Der im Tankrucksack eingeschobene Strafzettel über € 40,- ist aber leider ausschließlich in Griechisch verfasst - sorry Leute, das kann ich leider nicht lesen; ich dachte, das sei eine Werbung... ;-)

Die Strecke zurück fahre ich auf der (neuen) Ringautobahn, die sich im Norden um Athen zieht (Maut € 1,30).
Ich passiere meine "alte" Heimat Nea Philadelfia (Kassandras), Heraklio (Antigoni) und bin genauso schnell und einfach bald wieder auf der alten "National Road" nach THIVA.
Kaffeepause und Tankstop in ITEA.
Mittagspause in NAFPAKTOS. Diesmal schöner als vor vier Wochen, es ist sonnig und warm. Das bestellte Essen (Gavros, Salat, Patates) ist eine Riesenportion und fordert mich richtig.
Bei Rio/Antirio über die 3,5km lange Hängebrücke (Maut Motorrad € 1,20)
18:00 PATRAS. So kalt und nass meine Reise begonnen hat (5°C und Regen), so heiss endet sie jetzt.
Die vergangenen Tage hatte es durchwegs um die 35°C!

Ich schlage die Zeit in der Umgebung des Hafens tot, denn der ANEK Check-in-Schalter öffnet leider erst um 22:00.
Um 23:59 legt die Fähre planmässig ab.


Montag, 26.5. auf See



Dienstag, 27.5. Venedig - Wien 650km

07:00 Abfahrt in Venedig
14:00 Ankunft in Wien


Radio: www.ert.gr > Radio Service > 2. Program (Deftero Programma)
Radio Kriti FM

Karten: Anavasi-Wanderkarten (1:100.000)
Hellenic Army Geographical Service 1:50.000

Georgios & Gevgenia (TDM)
Thomas (Georgios Bruder) aus PALEOXORI (das Rechte!)

Vikos: Papingo (schöner Ort)